KRIEG

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Europa ist im Krieg. Der Krieg findet jedoch nicht in unseren Ländern statt.
Wir, die jungen Westeuropäer, haben Krieg nie in unserer eigenen Umgebung erfahren müssen. Wir kennen ihn nur aus den Erzählungen älterer Generationen, aus Schulbüchern, Filmen, dem Internet und aus Videogames. Wir spüren ihn in unserem Alltag nicht, aber der Krieg wird, auch in unserem Namen, tagtäglich geführt.

Was bedeutet „im Krieg zu sein“ heute , da das Wort Krieg nun tagtäglich und fast willkürlich eingesetzt wird?
 Was wurde aus dem klar definiertem Begriff Krieg, dessen Bild heute immer verschwommener erscheint?
In den Konflikten, in denen auch Kräfte aus Europa involviert sind, scheint sich der Körper, vor allem der angreifende Körper, dem Kampf entzogen zu haben. Diese neue Art Krieg ähnelt Videogames, nur der Feind besteht immer noch aus Fleisch und Blut. Aus der Sicherheit unserer Grenzen heraus, kämpft man Kriege auf anderen Kontinenten, ohne „sich die Hände schmutzig zu machen“.

Wir werden die Wahrnehmung von Kriegszuständen aus unserer Position heraus untersuchen. Was erfahren wir durch die Medien? Wie beeinflussen uns diese Erfahrungen? Wie tiefgehend können sie sein? In welchen Aspekten unseres Lebens stoßen wir auf die „Freund-Feind Dialektik“, die immer mit einem Konflikt in Verbindung steht? Wann überschreiten wir unsere moralischen Grenzen in Bezug auf „den Anderen“?
Und was macht das alles mit uns? Sind wir besorgt über die weltweiten Zustände? Besorgt um unsere eigene Zukunft? Haben wir Angst vor einem weltweiten Krieg, oder sind wir schon mittendrin?

Im Rahmen dieses Performance Project werden wir den kreativen Prozess von der Idee bis zur Inszenierung erleben. Wie entsteht eine Idee? Wie entscheidet man, ob die Idee eine gute und nachvollziehbare Idee ist? Wie übermittle ich meine Idee? Wie bringe ich sie in den Körper? Die Antworten auf diese Fragen stecken unserer Meinung nach in der Arbeit über Körper und Emotionalität, in der Beziehung zum Raum, in der Arbeit innerhalb einer Gruppe.
Anhand von dokumentarischen Materialien über den Krieg in Vergangenheit und Gegenwart, einer Recherche über Töne des Krieges, Spiele, Texte und Filme, werden wir gemeinsam lernen, wie ein physischer und inhaltlicher Raum gestaltet werden kann, wie der Körper diesen Raum bewohnt und in welcher Form er von ihm beeinflusst wird. Durch verschiedenste Elemente: Musik, Töne, Schauspiel, Tanz, Performance, Texte, Interaktion mit dem Publikum stellen wir uns der Aufgabe, eine Position für uns als Performer und für die Zuschauer zu finden, die eine gemeinsame körperliche Erfahrung zulässt.

Das Performance Project ist offen für professionelle Schauspieler*, Performer*, Tänzer*, für Student* und Schüler* der darstellenden Künste, Videokünstler, Autoren und bildende Künstler.

Offene Präsentation am 6. Mai 2016 im Rahmen von POSSIBLE MEMORIES Festival im TATWERK | Performative Forschung